Grok, die KI auf X, der Plattform von Elon Musk, ist ein kreatives Kerlchen. Er kann nicht nur auf Knopfdruck Deepfake-Bilder erzeugen, sondern hat auch einen umfangreichen Wortschatz. Den nutzen viele für das sogenannte roasting: Auf Kommando beleidigt Grok jede gewünschte Person mit Informationen aus dem Internet.
Andreas Becker/Keystone
Ein X-Nutzer beauftragte Grok, Bundesrätin Karin Keller-Sutter möglichst vulgär und sexistisch zu beschimpfen. Das Ergebnis war denkbar unflätig. Der Beitrag wurde später gelöscht, kursierte vorher aber fleissig.
Nun hat Keller-Sutter Strafanzeige wegen Verleumdung und Beschimpfung eingereicht, wie ihr Sprecher gegenüber Medien bestätigte. Ziel sei es, vor Gericht klären zu lassen, wer für die Aussagen verantwortlich ist.
Juristisch gesehen ist es eine interessante Frage. Wer ist der Schuldige: der Auftraggeber oder der Betreiber der Plattform, die den Beitrag erzeugt hat? Also: ein eher bedeutungsloser Schweizer Bürger oder Elon Musk, der reichste Mann der Welt?
Über diese Grundsatzfrage hinaus wirkt das Ganze allerdings eher peinlich. Politiker wissen die Macht auf ihrer Seite, der einfache Bürger hingegen fühlt sich oft genug machtlos. Da kann es schon mal vorkommen, dass einem der Kragen platzt und man sich Luft verschaffen muss.
Gewaltandrohungen oder echte Gewalt müssen sich auch öffentliche Personen nicht gefallen lassen. Geht es hingegen um wenig schmeichelhafte Bezeichnungen wie in diesem Fall, sollten Politiker über der Sache stehen. Sie werden gut dafür bezahlt, hin und wieder das Ventil spielen zu müssen.
Reisst diese Dünnhäutigkeit ein, herrschen in der Schweiz bald Verhältnisse wie in Deutschland, wo man bei Kraftausdrücken gegenüber Regierungsmitgliedern abends den Bademantel bereitlegen muss, um morgens die Polizei zu empfangen.