Wie schafft es der russische Staat, dass die Bevölkerung das Gefühl hat, Russland sei das Opfer und Putin ein Befreier? Eine Russlandschweizerin erreicht ihre Mutter in Sibirien
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Wie schafft es der russische Staat, dass die Bevölkerung das Gefühl hat, Russland sei das Opfer und Putin ein Befreier? Eine Russlandschweizerin erreicht ihre Mutter in Sibirien

Ein Gespräch mit meiner Mutter in Nowokusnezk gibt mir einen Eindruck, wie einseitig die Menschen in Russland informiert werden. Ich frage mich immer wieder, wie es dem Staatsfernsehen gelungen ist, dass die Menschen das Gefühl haben, der Krieg in der Ukraine sei rechtens – wobei meine Mutter das Wort «Krieg» nie in den Mund nehmen würde, sondern – ganz im Sinne des Kremls – von «Sonderoperation» spricht.

Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
FILE - A family walk past a portrait of Russian President Vladimir Putin, a sign reading 'Go Russia!' and the letter Z, which has become a symbol of the Russian military, displayed in the window of a children's library in St
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Als ich ihr sagte, dass der Krieg ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei, gab sie mir recht – aber mit der kleinen Nuance, dass Putin keine andere Wahl besitze. Denn er habe die vier Millionen Einwohner in der Donbass-Region vor den ukrainischen und westlichen Aggressoren schützen wollen. Es seien die Ukrainer, die Völkermord begingen – an den Russen.

Es mache alles globalen Sinn, erklärt mir meine Mutter – und letztlich sei der Westen der Auslöser dieses Konflikts. Und Russland unschuldig.

Russland wolle nur die Ukraine vom Faschismus und Nazismus befreien. Sie nennt die Sonderoperation in der Ukraine auch ein Schachspiel, in dem die Figuren verschoben werden – und der Westen den ersten Zug gemacht habe. Und sie findet es höchst ungerecht, dass die russischen Gefangenen in der Ukraine schlecht behandelt werden.

Für die toten Zivilisten in der Stadt Butscha hat sie eine einfache Erklärung: «Das ist von den Ukrainern inszeniert, um die Russen schlecht darzustellen.» Eine einzige Provokation sei das.

Was die russischen Soldaten in der Ukraine machen, sei für sie absolut legitim – mit dem Argument, dass Krieg immer Opfer bringe, Russland müsse sich verteidigen.

Wenn der Westen wirklich Frieden wolle, würde er den Ukrainern keine Waffen liefern, sondern nur humanitäre Hilfe, sagt sie. Deshalb werde am Ende ein Kriegstribunal entscheiden – und die wahren Schuldigen benennen: Wolodymyr Selenskyj und seine Hintermänner.

Wenn wir das Telefonat beenden, wünsche ich meiner Mutter viel Glück und gute Gesundheit. Es ist derzeit alles, was ich für sie tun kann. Das Geld, das ich ihr gelegentlich überweise, kommt nicht an – weder via Swift noch via Western Union. Und auch via Kreditkarten kann ich ihr in Russland derzeit nichts kaufen.

Es ist die einzige Realität des Kriegs, die meine Mutter in Sibirien unzensiert zu spüren bekommt.

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