Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter hat seinen Nachfolger Gianni Infantino scharf kritisiert und einen Ausverkauf des Weltfussballs an Saudi-Arabien beklagt. «Ja, wir haben den Fussball an Saudi-Arabien verloren. Wir haben ihn offeriert, und die haben ihn genommen», sagte der 89-Jährige im Interview mit RTL/N-TV.
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Blatter bezog sich dabei auf den Zustrom internationaler Stars in die saudische Liga sowie auf die Vergabe der Fussball-WM 2034 an das Königreich trotz anhaltender Kritik an der Menschenrechtslage. Besonders stösst ihm auf, dass es innerhalb der Fifa keine Debatte mehr über solche Entscheidungen gebe: «Damals gab es noch Kongresse, wo Probleme diskutiert wurden und der Kongress entschieden hat. Heute wird im Kongress nicht mehr diskutiert.»
Auch die Einführung der Klub-WM in den USA hält Blatter für überzogen. Er spricht von einem «Überangebot» an Fussball, das «ungesund und frech» sei. Spieler würden durch die zunehmende Zahl von Turnieren überlastet. Dass Infantino zu einem Kongress in Paraguay mit mehreren Stunden Verspätung erschien, nachdem er von einer Nahost-Reise mit Donald Trump zurückgekommen war, kommentierte Blatter spöttisch: «Man darf sogar sechs Stunden zu spät zu einem Kongress kommen.»
Infantino, seit 2016 im Amt, hatte zuletzt durch ein neues Fifa-Büro im Trump Tower in New York Aufsehen erregt. Gegen Blatter selbst stehen wie gegen seinen Nachfolger Korruptionsvorwürfe im Raum.