Poptitan Dieter Bohlen hat sich in einem Interview mit dem Edelmetallhändler Dominik Kettner deutlich zur deutschen Innenpolitik geäussert – und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Im ausführlichen Gespräch kritisiert Bohlen das Prinzip der «Brandmauer» gegenüber der AfD, warnt vor dem Verlust von Meinungsfreiheit und rechnet mit der Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre ab.
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«Das Wort Brandmauer ist völlig idiotisch», sagte Bohlen. Es sei ursprünglich eine linke Vokabel gewesen, die nun auch von Konservativen übernommen worden sei. Dass ein Viertel der Wählerschaft pauschal ausgeschlossen werde, widerspreche seinem Verständnis von Demokratie: «Man sagt ja zu den Leuten: ‹Ihr dürft nicht mitmachen›», so der 70-Jährige.
Ein Verbot der AfD lehnt Bohlen ab – stattdessen fordert er eine inhaltliche Auseinandersetzung: «Alles Nazis, alles Faschisten» – das helfe nicht. Die Debatte ums «Stadtbild» sei für ihn ohnehin nur ein Manöver, um vom wirtschaftlichen Versagen der Politik abzulenken.
Kritik übte Bohlen auch an Annalena Baerbock, die seit kurzem für Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York tätig ist. «Die kann auch bleiben», kommentierte er. Ihre Amtszeit als Aussenministerin habe «verbrannte Erde» hinterlassen. Deutschland sei aufgetreten, als wäre es eine «alte Kolonialmacht», während realwirtschaftlich längst der Anschluss an China verlorengegangen sei.
Auch zur Lage des Mittelstands fand Bohlen klare Worte: «Der ächzt unter Bürokratie.» Wer etwas leisten könne, werde eher abgeschreckt als unterstützt. «Unsere Leistungsträger kriegen eigentlich immer drauf.»
Im Gespräch wird Bohlen grundsätzlich: Deutschland sei von ökonomisch ahnungslosen Politikern regiert, die sich immer weiter verschuldeten. Die Grosse Koalition aus SPD und CDU halte er für chancenlos: «Wir haben keine Regierung, wir haben eine Blockierung.»
Zur Ukraine sagte Bohlen: «Ich habe das schon vor Jahren kritisiert. Jetzt sind wir kaum weiter. Hunderttausende haben ihr Leben verloren. Und wirtschaftlich ist alles scheisse.» Seine zentrale Sorge: Der Zustand der Meinungsfreiheit. Wer sich äussere, riskiere heute berufliche Konsequenzen – auch in der Wirtschaft. Als Beispiel nannte er Elon Musk, der sich mit Alice Weidel getroffen habe: «Da haben viele gesagt, sie kaufen keinen Tesla mehr.»