Die Bundesregierung will nicht ungeplant Gastgeber der UN-Klimakonferenz 2026 werden. Hintergrund ist ein festgefahrener Streit zwischen Australien und der Türkei: Beide Länder beanspruchen das Recht, die nächste Klimakonferenz COP31 auszurichten. Sollte es bis zum Ende der laufenden COP30 in Brasilien zu keiner Einigung kommen, müsste Deutschland als Sitz der UN-Klimarahmenkonvention einspringen – ein Szenario, das Berlin vermeiden will.
ANDRE COELHO / KEYSTONE
«Wir müssten, aber wir wollen nicht», sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Umweltministerium, am Montag laut Politico. Die deutsche Verwaltung sei nicht darauf ausgerichtet, eine solch komplexe Konferenz binnen zwölf Monaten vorzubereiten. Flasbarth machte deutlich: «Das sind keine einfachen Dinge. Deutschland braucht mehr Zeit für eine Konferenz.» Diplomatisch versucht Berlin daher, die Kontrahenten zur Einigung zu bewegen. Auch die britische Regierung wurde laut Politico kontaktiert, um zwischen Ankara und Canberra zu vermitteln – offiziell bestritten beide Seiten entsprechende Gespräche.
Australien bewirbt sich gemeinsam mit mehreren Pazifikstaaten um die COP31 in Adelaide und wird dabei von Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich unterstützt. Die Türkei hingegen verweist auf ein früheres Versprechen Londons, ihre Bewerbung zu unterstützen – eine Zusage, die britische Diplomaten heute bestreiten. Als Kompromiss bot Australiens Premier Anthony Albanese der Türkei an, den Eröffnungsabschnitt der Konferenz mit den Reden der Staats- und Regierungschefs auszurichten. Eine Antwort Erdogans steht bislang aus.
Sollte keine Einigung erzielt werden, könnte die Konferenz erneut in Bonn stattfinden – wie schon 1999 und 2017. Die Präsidentschaft der COP bliebe dabei allerdings bei Brasilien.