Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt sich tief besorgt über die wachsende Impfskepsis und deren Folgen für die globale Gesundheit. Das meldet der Spiegel unter Berufung auf den aktuellen Jahresbericht von WHO und Unicef. Laut Bericht blieben 2024 rund vierzehn Millionen Kinder weltweit im ersten Lebensjahr gänzlich ungeimpft – ein Wert, der sich kaum vom Vorjahr unterscheidet. Besonders betroffen seien Regionen mit Konflikten und schwer zugänglichen Gebieten.
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Kate O’Brien, Direktorin der WHO-Impfabteilung, erklärte: «Wir sind extrem besorgt über Fehl- und Desinformation zu Impfungen.» Neben der wachsenden Skepsis führten auch massive Kürzungen bei der Entwicklungshilfe zu einem gefährlichen Rückgang der Impfraten. Bereits 2023 hätten finanzielle Mittel gefehlt, um Impfkampagnen in armen Ländern durchzuführen. 2024 habe sich die Lage durch Sparmassnahmen zahlreicher Geberländer, darunter die USA, weiter verschärft.
Der Rückgang der Durchimpfung zeigt sich insbesondere bei Masern: Weltweit sind laut WHO dreissig Millionen Kinder unzureichend geschützt. Notwendig wären Impfraten von mindestens 95 Prozent, um Ausbrüche zu verhindern – erreicht wurden aber nur 76 Prozent. Die Folge: In sechzig Ländern kam es zu massiven Masernausbrüchen, doppelt so viele wie 2022. Die WHO schätzt für 2023 über 107.000 Masern-Todesfälle weltweit.
Die Organisation fordert nun stärkere Gesundheitssysteme und den Kampf gegen Desinformation. Erfolge gibt es vereinzelt bei der HPV-Impfung und bei der Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten – allerdings bleibe der weltweite Impfschutz lückenhaft.