Die deutsche Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche stellt das EU-Ziel der Klimaneutralität bis 2050 in Frage und fordert mehr Flexibilität. Dies sagte sie laut Politico auf der Energiekonferenz CERA Week im US-Bundesstaat Texas. Die EU solle Abweichungen von bis zu 10 Prozent beim Netto-null-Ziel zulassen.
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Reiche erklärte, Europa müsse «nicht 100-Prozent-Lösungen» erreichen und könne eine Lücke von «vielleicht 5 oder 10 Prozent bis 2050» akzeptieren. Zu starre Vorgaben könnten dazu führen, dass energieintensive Industrien verlorengingen. «Wenn Sie strenge und starre Ziele haben, binden Sie sich», sagte sie weiter.
Das EU-Ziel sieht seit 2019 vor, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto null zu senken. Zudem einigten sich die Mitgliedstaaten auf ein Zwischenziel von bis zu 90 Prozent Emissionsreduktion bis 2040. Deutschland verfolgt national ein noch ambitionierteres Ziel der Klimaneutralität bis 2045.
Reiche betonte, wirtschaftliches Wachstum müsse stärker berücksichtigt werden. Nachhaltigkeit sei zwar wichtig, dürfe jedoch die wirtschaftliche Entwicklung nicht gefährden. In Deutschland hatte die Ministerin zuletzt unter anderem den Ausbau von Gaskraftwerken vorangetrieben und Änderungen bei Förderprogrammen für erneuerbare Energien angestossen.
Zudem sprach sie sich dafür aus, eigene Gasvorkommen in der Nordsee stärker zu nutzen. Klimaziele müssten laut Reiche auch Aspekte wie Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit berücksichtigen.