Das deutsche Wirtschaftsministerium will zentrale Aufgaben der Wirtschaftspolitik an externe Berater auslagern. Aus einer EU-weiten Ausschreibung geht hervor, dass das Haus von Ministerin Katherina Reiche Unterstützung für Planung und Umsetzung zentraler Vorhaben sucht.
Die externen Kräfte sollen direkt für die Hausleitung arbeiten und unter anderem Analysen erstellen, Diskussionspapiere liefern sowie an Themen wie Industriepolitik, Rohstoffe und Zukunftstechnologien mitwirken. Damit greifen sie in Bereiche ein, die üblicherweise zum Kernauftrag eines Ministeriums gehören. Ein Sprecher erklärte, die ausgeschriebenen Leistungen könnten nicht von Mitarbeitenden des Hauses erbracht werden.
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Der Umfang ist beträchtlich: Geplant sind jährlich rund 9000 Stunden externer Beratung, die kurzfristig abrufbar sein soll – teils innerhalb weniger Stunden. Das Ministerium baut sich damit faktisch eine externe Einsatztruppe auf Abruf auf. Die Kosten dürften sich nach branchenüblichen Tagessätzen auf mehrere Millionen Euro pro Jahr belaufen, über die gesamte Laufzeit auf bis zu rund zehn Millionen Euro.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund interner Spannungen. Seit Reiches Amtsantritt wurden Führungsposten neu besetzt, zentrale Stellen sind weiterhin vakant. Zudem sorgten interne Vorgänge zuletzt für Unruhe. Offiziell soll die externe Unterstützung Prozesse verbessern. Die Ausschreibung zeigt jedoch, dass es nicht nur um Organisation, sondern auch um inhaltliche Arbeit geht.