Ein Telefonat, und schon brennt Bern. Karin Keller-Sutter sprach im Alleingang mit Donald Trump – kurz darauf verhängten die USA 39 Prozent Strafzoll auf Schweizer Waren. Ob die Bundespräsidentin sich im Ton vergriffen hat oder bloss zur falschen Zeit die falsche Leitung hatte, bleibt umstritten. Sicher ist nur: Seither sucht man Schuldige – und Keller-Sutter steckt mitten im Informationskrieg.
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Eine Bundesrätin, ein ominöses Gespräch – das alles klingt vertraut. Schon einmal stürzte eine FDP-Bundesrätin über ein Telefonat: Elisabeth Kopp, die 1989 nach einem Anruf bei ihrem Mann unter medialem Dauerfeuer und politischer Isolierung zurücktrat. Legendär blieb ihr Satz: «Mich trifft weder rechtlich noch moralisch irgendeine Schuld.»
Kopp – die erste Bundesrätin der Schweiz – wurde zur tragischen Pionierin: gefeiert als Symbol einer neuen Zeit, gestürzt über die Verflechtung von Politik und Privatem, über die berüchtigte Shakarchi-Affäre.
Drei Jahrzehnte später wird Keller-Sutter zur unfreiwilligen Wiedergängerin: wieder eine Frau der FDP, wieder ein Anruf, wieder ein Mann am anderen Ende – und wieder ein Skandal, der sich aus wenigen Worten zu einem politischen Erdbeben auswächst. Die Versuchung, den Zollhammer als Telefonpanne zu erzählen, ist gross – zu gross. Der Fall Kopp zeigt, wie lange solche Narrative haften bleiben, selbst wenn die Fakten später weit weniger schrill sind als die Schlagzeilen.
Damals Hans W. Kopp: der Zürcher Anwalt, Lebemann, angeblich notorischer Frauenheld. Heute Donald Trump: Selfmade-Milliardär, Immobilien-Tycoon, politischer Egomane – auch er nicht ganz frei von Frauengeschichten. Figuren dieses Typs leben vom Risiko und vom Glanz – und nicht selten zerschellen Frauenkarrieren an ihnen.
Kleine Ironie der Geschichte: 2023 hielt ausgerechnet Karin Keller-Sutter die Trauerrede auf Elisabeth Kopp, würdigte sie als Frau, die Gegenwind aushielt. Heute bläst der amtierenden Bundespräsidentin ein ähnlicher Sturm ins Gesicht.
Staatskrisen made in Switzerland: ein Anruf genügt.