Wettstreit um Ressourcen
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Wettstreit um Ressourcen

Wettstreit um Ressourcen

Wer hat das beste Fundament für die Gestaltung der Zukunft? Wie Natur, Investitionen, Energie, Rohstoffe, Handel und Wissen die Geopolitik bestimmen.

Der Zugang zu Ressourcen bestimmt die Überlebensfähigkeit einer Nation, den Lebensstandard ihrer Bürgerinnen und Bürger und letztlich ihre Einflusssphäre in der Geopolitik. Welche Ressourcen sind derzeit geopolitisch wichtig, welche Länder und Regionen verfügen über mehr Ressourcen, und welche sind von anderen abhängig? Und wie könnte sich das Machtgefüge in den nächsten Jahrzehnten verschieben? Diesen Fragen geht das whitepaper «Im Wettstreit um Ressourcen» nach und zeigt auf, wie Verschiebungen des Wettstreits um Ressourcen die geopolitischen Strategien beeinflussen dürften, die sich wiederum auf die Preise der Ressourcen, die Investitionen und die Finanzmärkte auswirken werden. 

Credit: Aerial Archives / Alamy Stock Photo
Metalle sind geopolitisch sensibel: Kupfermine in Utah, USA.
Credit: Aerial Archives / Alamy Stock Photo

Die geopolitischen Bruchlinien verschieben sich ständig. Während des Kalten Krieges standen einander die USA, Europa und die westlichen Nato-Länder auf der einen und Russland mit dem kommunistischen Block auf der anderen Seite gegenüber. Nach Auflösung der Sowjetunion Anfang der neunziger Jahre stiegen die USA zur alleinigen Grossmacht auf, doch heute fordert China die Vorherrschaft der USA heraus.

Oft ist von einer neuen Ära des Kalten Krieges zwischen den USA und China die Rede. Doch es gibt einen gewichtigen Unterschied: China ist bei weitem nicht so reich an Rohstoffen, wie es die Sowjetunion zur Zeit des Kalten Krieges war. Die Sowjetunion war in Bezug auf die damalig wichtigsten Ressourcen praktisch autark und konnte daher auf einen nennenswerten grenzüberschreitenden Handel, insbesondere mit Energie, verzichten. 

China hingegen ist stark von Energieimporten abhängig. Betrachtet man die wichtigsten natürlichen Ressourcen, wird ausserdem deutlich, dass China, gemessen an seiner Wirtschaft und seiner Bevölkerung, nicht so reich an Ressourcen ist wie sein geopolitischer Rivale, die USA. China ist in vielerlei Hinsicht abhängiger – von Wasser, Lebensmitteln und Energie (siehe Grafik unten). 

Zudem ist China deutlich ineffizienter, was die Ressourcennutzung anbelangt. Dies lässt sich beispielsweise daran messen, dass China gemäss dem Datenportal der Weltbank 2019 im Vergleich zu den USA aus einem Liter -Wasser nur etwa einen Drittel des Wohlstands generiert und die USA pro Einheit eingesetzter Energieressourcen fast 40 Prozent mehr Wohlstand erzeugen als ihr geopolitischer Rivale. 

 

Fossile Brennstoffe noch lange wichtig

Der Energie kommt unter den Ressourcen eine Sonderrolle zu, da sie den Abbau und die Nutzung anderer Ressourcen erst möglich macht. Darum ist es wohl keine Überraschung, dass gerade die global so unterschiedlich verteilten fossilen Brennstoffe nach wie vor die meistgehandelte Ressource der Welt sind.

Das war auch für die USA der Fall, doch die Schieferölrevolution machte das Land, das bis dahin ein grosser Importeur von Energie gewesen war, ab dem Jahr 2020 zu einem Energieexporteur. Der neue Ölreichtum stoppte diese Abhängigkeit und führte zu einer erheblichen Änderung der nationalen Sicherheitsstrategie des Landes und -seiner internationalen Beziehungen zu den ölexportierenden Staaten. 

Noch stammen über 80 Prozent der globalen Energie aus fossilen Brennstoffen, und viele Industrieländer planen eine grüne Wende, um ihre Abhängigkeit von energieexportierenden Ländern zu verringern. In Europa befeuerte der Einmarsch Russlands in die Ukraine die Bestrebungen, endlich die grüne Wende zu vollziehen, um die Abhängigkeit von russischer Energie zu verringern. 

Doch während der Übergangszeit – die wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte dauern -dürfte – wird wohl die globale Nachfrage nach fossilen Energiequellen nur langsam zurückgehen, da die Errichtung und die Nutzbarmachung erneuerbarer Energieressourcen eine bedeutende Menge an fossiler Energie erfordern werden.

Und im geopolitischen Kontext wichtig: Die Wende zu erneuerbaren Energien -dürfte zu einer höheren Abhängigkeit gegenüber mineralexportierenden Ländern führen und damit deren geopolitisches Gewicht stärken. Doch wer gewinnt all die Mineralien und -Metalle, die dazu benötigt werden, und wer verbraucht sie?

Zehn Gigatonnen Metalle werden aktuell pro Jahr gefördert und gut drei Gigatonnen weltweit gehandelt. Dies zeigt, dass die Metalle geopolitisch sensibel sind, da ihr gehandelter Anteil hoch ist im Gegensatz zu anderen -Materialien. Dies wird noch deutlicher, wenn man das starke räumliche Ungleichgewicht zwischen den Förderregionen und den Regionen berücksichtigt, in denen die Metalle verbraucht und verarbeitet werden.

Quelle: Vontobel (Angaben zu den einzelnen Ressourcen siehe Studie «Im Wettstreit um Ressourcen»)

 

Know-how: die Super-Ressource

Wie eine Studie der Internationalen Energieagentur zeigt, dominieren mehrere Länder zusammen mit China die Förderung wichtiger Mineralien für die Energiewende. Die Raffination vieler dieser Rohstoffe aber wird von China fast im Alleingang dominiert (siehe -Grafik oben). Für die grüne Wende ist China damit für den Block aus USA, EU und Nato-Ländern bis auf weiteres unverzichtbar. 

Die Ressource, die es uns erst ermöglicht, all die anderen Ressourcen zu nutzen, ist Know-how. Wir müssen wissen, welche Ressourcen benötigt werden, und wie diese handzuhaben sind, um ein Bedürfnis zu befriedigen und Waren und Dienstleistungen zu produzieren. Know-how macht die (-effiziente) -Nutzung aller anderen Ressourcen erst möglich, und Inno-vation bestimmt, welche -Ressourcen plötzlich gesuchter oder andererseits unwichtig werden. Kurz gesagt: Es ist die -Super-Ressource.

Gemäss dem globalen Innovationsindex, der von der Weltorganisation für geistiges Eigentum aus vielen einzelnen Kriterien zusammengestellt wurde, liegt die Schweiz in dieser Disziplin auf Platz 1, die USA auf Platz 2, Deutschland folgt auf Platz 7 und China auf Platz 11. 

Aber auch andere Indikatoren wie Bildung und Forschung sind Know-how-Indikatoren. So ist es wichtig, zu sehen, dass die USA und Europa in den Bereichen der akademischen Bildung und Forschung weiterhin die Nase vorn haben: Die Zahl der Top-500-Universitäten im Schanghai-Ranking zeigt eine Dominanz der US-Institutionen und Europas als -Ganzes – 137 der 500 besten Universitäten liegen in den USA, und rund 80 davon in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, während China mit 58 relativ klar zurückliegt. Ebenso -ziehen die USA und Europa deutlich mehr internationale -Studierende an, was ihre Attraktivität als Wissenszentren unterstreicht, während China derzeit nur halb so viele ausländische Studierende anzieht wie die USA.

Quelle: Vontobel (Angaben zu den einzelnen Ressourcen siehe Studie «Im Wettstreit um Ressourcen»)

 

Die schlechte und die gute Nachricht

Wenn es um die Super-Ressource Know-how geht, dürfte daher der derzeitige Block aus den USA, der EU und den Nato-Ländern nach wie vor die Nase vorn haben. Dennoch sind die USA und stärker noch Japan und die EU von Mineralien und Metallen abhängig, bei denen China insbesondere bei gewissen Metallen, die für die Energiewende benötigt werden, fast eine Monopolstellung hat. 

Ressourcenreiche swing states, also -Länder, die sich weder zu dem von den USA dominierten Westen noch zu China bekennen, werden ihre Ressourcen geostrategisch einsetzen -wollen. Das dürfte zu schnell wechselnden -Allianzen und einer volatilen und multipolaren geopolitischen Lage führen.

Die schlechte Nachricht wäre dabei, wenn sich gewisse Länder in Zukunft für eine Abspaltung in einen eigenen «Block» entscheiden und den Vorteilen des globalen Handels eine Absage erteilen. Wobei laut der Internationalen Handelskammer (ICC) die USA und der westliche Block bis zu 8 Prozent an Wirtschaftsleistung einbüssen könnten, China aber sogar bis zu 12 Prozent. Besonders schade wäre eine Abspaltung in Sachen Know-how – denn Wissen ist wohl die einzige Ressource, die sich vermehrt, wenn man sie teilt.  

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass praktisch alle Nationen von anderen, auch nicht verbündeten Ländern abhängig zu sein scheinen. Die Erkenntnis, dass alles im globalen Handel zusammenhängt, könnte dazu beitragen, zwischenstaatliche Konflikte zu verringern. Dies wäre die gute Nachricht aus dem Wettstreit der Nationen um Ressourcen.

Dr. Reto Cueni ist Chefökonom beim Investmenthaus Vontobel. Der vorliegende Artikel beruht auf der von ihm verfassten Studie «Im Wettstreit um Ressourcen: Wie sich Ressourcenknappheit, Geopolitik und Globalisierung auf Ihre Investitionen auswirken».

https://am.vontobel.com/de/insights/the-quest-for-resources

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.