Eine unerfreuliche, aber ungemein geschäftstüchtige Gestalt steht heute synonym für die verrottete Amtskirche der Renaissance: Johannes Tetzel, seines Zeichens Dominikaner, Inquisitor und Ablasshändler. Er war es, der die christliche Mildtätigkeit regelrecht industrialisierte. Statt guter Taten genügte jetzt ein gekauftes Dokument (der Ablass), das den Sünder umgehend von aller Schuld befreite. «Wenn das Geld in der Kasse klingt, die Seel’ aus dem Fegefeuer springt.» Der Erlös floss in die unersättlichen Schlünde der Kirche. Eine Perversion der evangelischen Wohltätigkeit: Nun war sie weder evangelisch noch wohl, noch tätig, sondern reines Geschacher. Das 21. Jahrhundert häl ...