Ablasshandel wie in dunklen Zeiten
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Ablasshandel wie in dunklen Zeiten

Ablasshandel wie in dunklen Zeiten

Die Firma Climeworks saugt CO2 aus der Luft, um dieses dann in die Erde zu pressen. Firmen wie die Zürcher Kantonalbank kaufen sich so von Emissionen frei – teuer und ineffizient.

Klimawandel, ob durch den Menschen verursacht oder nicht, wird als etwas Negatives betrachtet. Deshalb werden sämtliche Aktionen, den Klimawandel zu verhindern, als positiv eingestuft. Unter anderem wird die aktive Entfernung von CO2 aus der Luft als besonders gut angesehen. Im Jargon des Weltklimarats IPCC ist die Technik der DAC (Direct Air -Capture) ein Teilgebiet der NET (-Negative Emission Technologies). 

Credit: ARCTIC IMAGES / Alamy Stock Photo
«Grüne» Sünde: Hellisheidi-Geothermie-Kraftwerk, Island.
Credit: ARCTIC IMAGES / Alamy Stock Photo

Zu den bekanntesten Firmen auf diesem Gebiet zählt Climeworks. Climeworks verkauft Zertifikate, die bescheinigen, bei ihr CO2 entsorgt zu haben. Das Geschäftsmodell ist einfach: Der Kunde bezahlt für das CO2, das Climeworks aus der Luft herausnimmt. Mit diesem Ablasshandel kauft man sich von der Klimasünde frei und gehört dann zu den Guten.  

Eine prominente Neukundin, die sich jetzt auch so reinwäscht, ist die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Die ZKB hat kürzlich mit Clime-works einen langjährigen Vertrag abgeschlossen, die Entsorgung von jährlich 1750 Tonnen CO2 zu finanzieren. Das macht pro Jahr rund eine Million Franken. 

Climeworks ist ein Spin-off der ETH Zürich. Deren Gründer Jan Wurzbacher und Christoph Gebald haben ein Verfahren entwickelt, das mit Hilfe chemisch beschichteter Filter CO2 -direkt aus der Luft binden kann. Wenn die Filter nach einer gewissen Zeit gesättigt sind, werden sie zur Regeneration erhitzt, um daraus hochkonzentriertes CO2 herauszulösen. Langfristig entsorgt ist das Treibhausgas damit noch nicht. Deshalb muss es in einem zweiten Schritt noch in den Untergrund verpresst werden, wo es sich über mehrere Jahrzehnte mit dem Gestein dauerhaft verbinden soll. Sowohl die Regeneration der Filter wie auch die Verpressung benötigen -grosse Mengen an Energie, was Kosten von 400 bis 600 Franken pro Tonne CO2 verursacht.

 

Aufwand am falschen Ort

Unter der Aufwendung von Energie Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen, um damit den Klimawandel in irgendeiner Weise zu beeinflussen, erachte ich als höchst fragwürdige Aktion. Ich stufe diese Methode aus mehreren Gründen als eine «grüne» Sünde ein:

– CO2 ist kein Schadstoff, sondern der Rohstoff zur Photosynthese, die Grundlage des organischen Lebens, so auch des unseren.

– CO2 fällt bei Verbrennungsprozessen konzentriert an. CO2 am Ort grösster Verdünnung, in der Atmosphäre, einzusammeln, ist so falsch, wie eine Kläranlage mitten im Meer zu bauen, statt am Ende einer Kanalisation.

– Hochwertige Energie aufzuwenden, um ein Nebenprodukt menschlicher Aktivität zu entsorgen, das kein Schadstoff ist, macht keinen Sinn. Das ist Effizienzminderung, Ressourcenverschleuderung.

– Eine Entlastung der Umwelt kann nur mit Effizienzsteigerung erreicht werden, nie mit Effizienzabbau.

– Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre wird durch natürliche Prozesse um ein Vielfaches besser -reguliert als durch künstliche Maschinen: Landpflanzen sind der kleinere Teil der natürlichen Bindung von CO2. Der grössere Teil geschieht durch das Phytoplankton nahe der Wasseroberfläche in den Ozeanen: Diese Organismen bauen mit dem CO2 Kalkschalen auf. Nach ihrem Absterben sinken die Schalen auf den Meeresgrund ab und sammeln sich dort als Kalkschlamm an. Das klassische Beispiel sind die Kreideklippen von Dover, die vollständig aus Phytoplanktonschalen bestehen. 

1750 Tonnen, so viel CO2 binden 70 000 Bäume jährlich in Form von nutzbarem Holz. Das ist ein Wald von etwa drei Quadratkilometern. Und der erbringt die Leistung ohne künstlichen Energieaufwand. Zudem bringen Bäume ökologischen Nutzen wie Lebensraum für allerlei Tiere, natürliche Kühlung, Produktion von Sauerstoff, Stabilisierung und Aufbau von Boden und, und, und. 

Weshalb ist Climeworks überhaupt in -Island aktiv? Weil es dort Basalte hat, die das CO2 ein bisschen schneller binden als Gesteine bei uns. Dafür wird das CO2 dann per Pipeline und Schiff dorthin gefördert, eine Absurdität. Klar ist vor allem: Nun steht das Geld nicht mehr für wertbringende Investition zur Verfügung, wie zum Beispiel für Aufforstungsprojekte.

 

Markus O. Häring ist Geologe – und langjähriger Kunde der ZKB.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.