Tayyip Erdogan war nie ein Intellektueller, nie ein Ideologe. Als Kind verkaufte er im Istanbuler Armenviertel Kasimpasa Brezel und Süssigkeiten. Seine mausarmen Eltern waren aus der Schwarzmeerstadt Rize nach Istanbul gezogen, um in der türkischen Metropole ihr Glück zu versuchen.
Erdogans Aufstieg ist atemraubend: Nachdem er sich als Profifussballer versucht und einen Universitätsabschluss in Wirtschaft und Handel geschafft hatte, begann er eine politische Karriere in der islamistischen Bewegung von Necmettin Erbakan. 1994 wurde er zum Oberbürgermeister von Istanbul gewählt. Doch die mächtigen Militärs hatten den Islamisten den Kampf angesagt. 1998 musste Erdogan seinen Amtssitz r ...