In «Autor und Autorschaft» notiert Ernst Jünger 1984: «Der ist umstritten.» Das ist heute nicht etwa als Lob, sondern abschätzig gemeint. Beliebtes Urteil, vor allem von Typen, die sich nie exponiert haben. Sie halten es immer mit der herrschenden Meinung, gleichviel, ob Kastraten oder Kannibalen regieren; verdächtig ist jeder, der nicht ins Schema passt.» Heute hat das Wort «umstritten» Hochkonjunktur in den Medien. Es ist die Warnleuchte im Meinungskorridor: Achtung, meiden Sie das Umstrittene! Sei es Mensch oder Sache, als «umstritten» bezeichnet, ist’s suspekt, bekommt ein Hautgout, ein «Gschmäckle».
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