Schuldgefühle haben nichts mit Verantwortungsbewusstsein zu tun, und Betroffenheit kann leicht in Heuchelei umschlagen. Das sind die ersten Gedanken, die einen befallen, wenn man sich die Reaktionen auf das Flüchtlingsdrama vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa vor Augen führt.
Politiker und Kirchenhäupter, Kommentatoren und Brüsseler EU-Funktionäre waren sich in ihren wohlfeilen Selbstanklagen schnell einig: Der Bootsunfall vor Lampedusa ist eine Schande für Europa. Die EU-Staaten müssen schleunigst etwas unternehmen. Gefragt sind nicht nur «offene Geldbeutel und offene Herzen», wie sich eine EU-Kommissarin ausdrückte, sondern vor allem «offene Grenzen» für die nach ...