Amerikaner gehen mit der Verleihung des Titels «Renaissance Man» freigebig um. Wenn der Saxofonist Dave Liebman so genannt wird, meint das nicht das interdisziplinäre Genie eines Leonardo oder auch nur eines Friedrich Dürrenmatt. Innerhalb seiner Disziplin aber, des Jazz, ist Liebman über eine vierzigjährige Karriere tatsächlich ein so vielseitiger, in allen seit den sechziger Jahren erfundenen (oder gefundenen) Spiel- und Stilformen gewandter Improvisator, dass man den Superlativ schon verstehen kann.
Geprägt von der Musik des sogenannten zweiten Quintetts von Miles Davis (der Formation mit Wayne Shorter, Herbie Hancock, Tony Williams, Ron Carter) und der des «klassischen» Quar ...