Anders als sonst in der Gesellschaft, wo nichts jung (und schön) genug sein kann, wo keinem über dreissig zu trauen ist und keinem Computer über drei, waltet beim Wein ein Alterskult. Auch der treibt bizarre Blüten. Je staubiger die Flasche, desto höher ihr Prestige (auch wenn ihr Inhalt längst zu einem exzellenten Kadaver mutiert ist). Das Vergnügen, auch Weine mit grossem Potenzial mal in der sogenannten «Fruchtphase» zu trinken, leisten sich nur ein paar Exzentriker. Von alten Reben kommen bessere Weine (was manchmal stimmt, manchmal nicht). Und weit verbreitet ist der Irrglaube, nur Alte (genauer: alte Männer) wüssten einen grossen Bordeaux oder Barolo zu würdigen (dabei habe ...