Noch immer wird sie unterschätzt. Die DDR-Physikerin kam als «Kohls Mädchen» in die Politik und fing in einer Nebenrolle an. Die Parteigranden belächelten sie, aber nicht lange. Mit einem machiavellistischen Überraschungsstreich löste sie sich vom Übervater Kohl, als sie ihn wegen einer Spendenaffäre öffentlich kritisierte. Der Loyalitätsbruch war das Coming-out einer gewieften Machtpolitikerin. Merkel überstand alle innerparteilichen Auseinandersetzungen auch deshalb, weil ihre Rivalen an der eigenen Eitelkeit scheiterten.
Das Klischee trifft zu: Merkel hat einen naturwissenschaftlichen Zugang zur Politik. Sie denkt mehrere Züge voraus, verbeisst sich allerdings nicht in Prin ...