Der Auftritt ist mir in Erinnerung geblieben. Am 7. November 1970 betrat aus Anlass der Berliner Jazztage eine Dame in einem ebenso engen wie kurzen Kostüm aus imitiertem Panterfell die Bühne der Berliner Philharmonie. Anita O’Day kam aus einer anderen Zeit, sie praktizierte etwas längst Untergegangenes: Jazzgesang. Die Partie war verloren, bevor sie begonnen hatte. Ein Publikum, das wöchentlich vor der Amerikabibliothek gegen den Vietnamkrieg protestierte, hatte für die verblichene Kunst des song styling nur Hohn übrig. «Anita O’Yesterday!», die Berliner waren gnadenlos. Die Frau war etwas über fünfzig, also uralt für eine Generation, die keinem über dreissig traute. Sie kä ...