Wer dem Dirigenten Claudio Abbado Worte widmet, wird alsbald über sich erschrecken, da er unweigerlich in einen dunklen Sog der Abschiedsworte geraten wird. Abbado (*1933) ist nämlich nicht nur einer jener raren Dirigenten, die man ihrer musikalischen Kraft wegen zu den Säulenheiligen der grossen Vergangenheit stellen möchte. Abbado ist auch ein kranker Mann, dem vor wenigen Jahren ein Magenkrebs entfernt wurde. Am 13. August stieg er dennoch wieder - mager und hager zwar, aber schwungvoll gelöst und voller Energie - in Luzern aufs KKL-Podium. Heute berührt Abbado mit der Gelassenheit eines Eremiten die musikalischen Welten. Musik wird unter seinen Händen nicht hinreissend raffiniert, ...