Der Mensch kommt als Milchtrinker zur Welt. Das heisst: Auch für den Nachwuchs eines Winzers ist Wein trinken keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Kulturleistung. Es will gelernt sein, weil es mit Erfahrung und Erinnerung zu tun hat. Duft- und Geschmackssensationen sind auf die Assoziationsräume im Kopf des Weintrinkers angewiesen. So gesehen ist die alte Frage, wann die Jugend auf den Weingeschmack kommen soll, nur paradox zu beantworten: wenn sie aufhört, jung zu sein. Auch dann wird sie sich erst mal mit gewissen Weinen schwertun und: mit komplexen, widerständigen Flaschen, die Zeit brauchen, im Keller und in der Dekantierkaraffe. Geduld ist keine juvenile Tugend, wer jung ist, ...