Der Mai 68 war eine Zeit verschärfter Lebensfreude – so sieht das zumindest Bernardo Bertolucci (63). Frechheit und Heiterkeit durchwehten die Künste – vor allem die Filmkünste. Die Nouvelle Vague mit ihren Matadoren Godard und Truffaut begeisterte, und viele Fans strömten regelmässig in die Vorführungen der Cinémathèque française. Nicht nur in den Filmen, auch auf den Strassen wurden verstaubte Werte attackiert, ausser Kraft gesetzt und durch andere soziokulturelle Tugenden wie Emanzipation und freie Liebe ersetzt. Den «Muff von tausend Jahren», und dies nicht nur «unter den Talaren», galt es kräftig auszulüften.
Bertolucci, der einst das Erbe von Luchino Visconti antrat, ...