Nach einmaligem Klingeln öffnet Monsieur Claude, mit bürgerlichem Namen Hans Grieder, seine Wohnungstüre in der Basler Steinenvorstadt. «So haben Sie sich einen Zuhälter wohl nicht vorgestellt», sagt er. Wie stellt man sich denn einen Zuhälter vor? Dicke Goldkette um den Hals, dicker Hund neben dem fetten Motorrad, Lederjacke und Rotlicht? Monsieur Claude aber, sechzigjährig, lächelt Concierge-gütig über seine Goldrandbrille hinweg, er trägt einen gepflegten Schnauz und einen Lacoste-Pullover über den Schultern, offenes Hemd, eine Golduhr am Handgelenk, etwas Bauchansatz. Insgesamt etwas démodé, etwas viel Reverenz an die späten achtziger Jahre, wie ein Zuhälter sieht Monsie ...