Besessen von sich selbst
Kim de l’Horizon: Blutbuch. Dumont. 336 S., Fr. 33.90
Manchmal trifft ein Buch punktgenau den Zeitgeist. Ein idealtypisches Beispiel dafür ist der Roman eines dreissigjährigen Ostermundigers, der sich Kim de l’Horizon nennt und sich weder als Mann noch als Frau fühlt. In einer von Identitäts- und Genderfragen beseelten Zeit, in der Bio-Tampons auf Männertoiletten gefordert werden, kommt er wie gerufen. «Blutbuch» hat jüngst den Deutschen Buchpreis gewonnen, und die Jury erweckte den Eindruck, sie habe sich damit auch selbst für ihre Aufgeschlossenheit und Weltoffenheit ausgezeichnet. (Eine Steilvorlage für die Schweizer Kolleginnen, die ihren Buchpreis am 20. November vergeben.) Ausufernde, drastische Schilderunge ...
