Von Anton Bruckners letzter, neunter Sinfonie sind nur drei Sätze vollständig erhalten. Sie gilt als «Unvollendete» und schliesst mit einem weit ausschwingenden Adagio. Günter Wand, bedeutendster Bruckner-Dirigent im späten 20. Jahrhundert, sagte dazu: «Für mich ist nach dem Schluss des Adagios nichts mehr möglich. Diese Ruhe, diese Zuversicht, diese Verklärung. Und das hat Bruckner wohl gespürt.» Da ist Nikolaus Harnoncourt ganz anderer Meinung. Er hat sich in den letzten Jahren in die Brucknersche Tonwelt hineingebohrt. Er beharrt darauf, dass Bruckner nur aus äusseren Gründen – Krankheit, Tod – das Finale seiner Neunten nicht abgeschlossen habe. Hätte der Komponist nur ...