Eigentlich ist der Jazz ein Gräberfeld der verkannten Genies und ein Dilemma dieser Kolumne die Ambivalenz aller postumen Wiedergutmachungen und Einsegnungen. Die Ausgrabung eines Geheimtipps hat ja immer auch einen etwas besserwisserischen Beigeschmack: Nichts ist peinlicher, als wenn Festredner und Nachrufer sich im herbeigeredeten Glanz ihres Gegenstands sonnen. Im Fall von Booker Ervin gilt es, solche Bedenken zu überwinden. Erstens war der Tenorsaxofonist, der 1970, keine vierzig Jahre alt, an einem Nierenversagen starb, zumindest unter Musikern keineswegs so verkannt. Zumal Charles Mingus mochte auf diesen ganz eigenen, harten, bissigen, kruden Saxofonsound bei vielen Sessions nicht ...