«Ja, ich will ihn jetzt küssen, deinen Mund, Jochanaan.» Harmlose Worte einer Verliebten? Nicht ganz, spricht Prinzessin Salome im tollsten Opernfinale des 20. Jahrhunderts doch zu einem abgeschlagenen Kopf. Dieser Schluss von Richard Strauss’ Einakter «Salome» verlangt einer Sopranistin alles ab. Aber selbst wenn sie die Szene meistert, wird das niemanden berühren, wenn sie es nicht schafft, sich reflektiert in diesen Fin-de-Siècle-Klängen zu verlieren – es muss ja nicht gleich zur Selbstentäusserung wie bei Ljuba Welitsch kommen. Erst dann verursachen Sätze wie «Nicht die Fluten, noch die grossen Wasser können dieses brünstige Begehren löschen» kein Lächeln, sondern ein ...