Mit Weinführern geht’s mir wie mit Restaurant-Guides: Sie pauschal zu verachten, ist ebenso unsinnig wie ihnen blind zu vertrauen. Sie haben ihre Macken und Vorzüge, die Bewertungen sind Vorschläge ins Ungefähre. Ein Wein kann sich in einer schwierigen Phase befinden, und ein Tester auch. Und wie, beim Bacchus, soll einer auf der Hunderterskala einen Unterschied zwischen 91 und 92 Punkten quantifizieren? Mein Rat: Nicht hypnotisch auf die Noten starren, den Mut zum eigenen Gusto behaupten und selbst gegenüber den Kardinälen unter den Kritikern Glauben und Zweifel immer schön in der Balance halten. Vor allem: Den einen Kanon gegen den andern lesen. Die Wahrheit ergibt sich meist aus ...