Weltwoche: Was ist das Schönste an Geld?
Christel Rendu de Lint: Geld ist kein Selbstzweck, sondern ein notwendiges Mittel zum Leben. Schön ist es, wenn man genug hat, um gut leben zu können.
Weltwoche: Macht Geld glücklich?
Rendu de Lint: Geld allein macht nicht glücklich, doch es ist notwendig, um Grundbedürfnisse zu decken sowie Freiräume für persönliche Entfaltung zu schaffen – eine wichtige Voraussetzung für Glück.
MARTIN RUETSCHI PHOTOGRAPHER SWITZERLAND
Weltwoche: Wofür geben Sie unvernünftig viel Geld aus?
Rendu de Lint: Wenn es um meine Kinder und um besondere Momente mit der Familie geht, drücke ich gerne mal ein Auge zu und gebe mehr aus, als vielleicht vernünftig wäre. Ob ein spontaner Ausflug, ein besonderes Erlebnis oder einfach etwas, das uns gemeinsam Freude bereitet – für mich ist das eine Investition in Glück. Solche Momente sind einfach unbezahlbar.
Weltwoche: Was war Ihre letzte grössere Anschaffung?
Rendu de Lint: Unser jährlicher Familienurlaub. Dieses Mal eine Radtour in Ruanda und anschliessend Erholung in Mosambik.
Weltwoche: Gold oder Silber?
Rendu de Lint: Für ein diversifiziertes Portfolio: Gold. Als Schmuck: Weissgold und Silber.
Weltwoche: Was kann man mit Geld nicht kaufen?
Rendu de Lint: Gesundheit, Frieden und echte Beziehungen. Geld kann wertvolle Momente ermöglichen, aber keine Familie oder Freunde kaufen.
Weltwoche: Wie wird man reich?
Rendu de Lint: Ohne Wohlstand von Geburt an: durch harte Arbeit und frühes Investieren. Reich ist relativ – der sicherste Weg ist, das zu schätzen, was man hat, und sich nicht in Vergleichen zu verlieren.
Weltwoche: Welche Investition hat sich für Sie am meisten gelohnt?
Rendu de Lint: Für mich waren die lohnendsten Investitionen nie nur finanzieller Natur. Ich habe viel in meine Bildung und meine Gesundheit investiert – und vor allem in meine Kinder. Eine der schönsten Entscheidungen war es, eine Ferienwohnung in den Bergen zu mieten und mit meiner Familie bei jedem Wetter Ski fahren zu gehen. Dabei habe ich mit meinem Mann Erinnerungen geschaffen, die heute, wo die Kinder nicht mehr zu Hause wohnen, unbezahlbar geworden sind. Klar, es gab auch erfolgreiche Finanz-Trades, zum Beispiel beruflich einen US-Zinskurven-Steepener nach Trumps erster Wahl – aber nichts kommt an die langfristigen Renditen von Zeit, Liebe und gemeinsamen Erlebnissen heran.
Weltwoche: Und welche am wenigsten?
Rendu de Lint: Meine erste Investition in einen Vorsorgeplan während meines ersten Jobs in Grossbritannien. Mit einem aggressiveren Profil hätte ich den Zinseszinseffekt über die lange Zeit besser nutzen können.
Weltwoche: Was ist das Schwierigste in Ihrem Beruf?
Rendu de Lint: Ich habe das Glück, einen Beruf auszuüben, der mich begeistert, in dem ich täglich dazulerne und positiv beitragen kann. Die grösste Herausforderung ist, die richtige Balance zu finden: schnell genug, um Veränderungen aufzugreifen, aber nicht zu schnell, um alle mitnehmen zu können.
Weltwoche: Und das Wichtigste?
Rendu de Lint: Einen kühlen Kopf zu bewahren und gleichzeitig ein hohes Energieniveau zu halten.
Weltwoche: Was ist der häufigste Irrtum in Geldfragen?
Rendu de Lint: Mangelndes Wissen. Der Satz «Ich verstehe nichts von Geld» ist gefährlich. Finanzielle Grundbildung ist für alle essenziell, denn Geld betrifft jeden.
Weltwoche: Lernt man von den Reichen Sparen?
Rendu de Lint: Von erfahrenen Investoren, die ihr Kapital erfolgreich wachsen lassen und schützen, kann man viel lernen. Aus dieser Perspektive bieten erfolgreiche institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder Staatsfonds wertvolle Erkenntnisse.
Weltwoche: Was bezahlen Sie bar?
Rendu de Lint: Trinkgelder, zum Beispiel in Hotels oder auf Reisen.
Christel Rendu de Lint arbeitete bei der Privatbank Pictet und bei UBP in Genf, ehe sie zur Bank Vontobel stiess, die sie seit Anfang 2024 gemeinsam mit Georg Schubiger als Co-CEO leitet.

