Nach längerer Krankheit ist der Strafrichter und frühere Politiker Christian Huber in Zürich verstorben. Er hat gelegentlich in der Weltwoche publiziert und war uns als eigenständiger Denker ein anregender Gesprächspartner.
Huber wuchs als Sohn eines Architekten in der Stadt Zürich auf und studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. Nach seiner Dissertation arbeitete er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Uster. 1974 wurde Christian Huber Staatsanwalt, sieben Jahre später Oberstaatsanwalt.
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Nach seiner Wahl zum Oberrichter bedeutete das Präsidium der Geschworenenkammer den Höhepunkt seines richterlichen Wirkens. Dort überzeugte er als souveräne Persönlichkeit auch in schwierigsten Fällen, etwa im Prozess gegen den Sexualstraftäter René Osterwalder.
Schon früh engagierte sich Christian Huber in Betäubungsmittelfragen und war ein entschiedener Gegner der staatlichen Heroinabgabe. Er präsidierte die SVP seines Wohnortes Pfäffikon im Zürcher Oberland und schlug in dieser Funktion seine spätere Regierungsratskollegin Rita Fuhrer an der Delegiertenversammlung zur Wahl vor. 1999 portierte ihn die Zürcher SVP als Regierungsrat. Der Kandidat und politische Quereinsteiger wurde sogar im Tages-Anzeiger wegen seines «gediegenen Auftretens» und als «glänzender Jurist mit kantigen politischen Positionen» gewürdigt.
Der Neuling schaffte die Wahl problemlos als Drittplatzierter und 2003 auch die Wiederwahl. Der Regierungsrat übertrug ihm die Finanzdirektion, eine anspruchsvolle Aufgabe im wirtschaftsstärksten Kanton der Schweiz. Dort musste er im Namen der Kollegialbehörden regelmässige Ausgabenerhöhungen vertreten. Dies belastete das Verhältnis zur SVP-Fraktion, die Einsparungen und Steuersenkungen verlangte. Huber bekämpfte die (erfolgreiche) Abschaffung der Erbschaftssteuer oder das (nicht erfolgreiche) bürgerliche Steuerpaket. Wegen unüberbrückbarer Differenzen zur eigenen Parteileitung kündigte Huber völlig überraschend seinen Rücktritt per Frühling 2005 an. Dieser Schritt schuf für die Partei die schwierige Situation einer Einzelwahl, so dass sie ihren zweiten Sitz vorübergehend verlor.
Danach bereiste Christian Huber mit seiner Frau Charlotte auf dem eigenen Hausboot «Kinette» die Wasserstrassen Westeuropas. Später faszinierten ihn spektakuläre Kriminalfälle.
2023 erschien sein Buch «Der Mordfall Näf», eine kriminalhistorische Untersuchung einer Vergiftung in den aufgeheizten 1930er Jahren. 2025 kam «Der letzte Tee der Pianistin» heraus, die Geschichte eines Arsen-Mordes in Winterthur, den die Geschworenen 1998 unter der Leitung des Autors zu beurteilen hatten. Christian Huber hat als überlegene Richterpersönlichkeit und als allgemein geschätzter Magistrat markante Spuren hinterlassen.

