Chronist deutscher Nachkriegsgeschichte
Ralf Rothmann: Die Nacht unterm Schnee. Suhrkamp. 304 S., Fr. 34.90
Es gibt zwei Konstanten in Ralf Rothmanns Schreiben: Er gehört seit langem zu den meistgelesenen, wichtigsten deutschen Schriftstellern. Und: Seine Romane bewegen sich fast jedes Mal auf dem Grundriss der eigenen Biografie. Immer neue Facetten ringt er dem Selbsterlebten ab. In seinem neuen Roman lässt der 1953 geborene Autor die Ich-Erzählerin Luisa, eine Bibliothekarin mit Hang zu Rilkes Lyrik, diesen Umstand auf den ersten Seiten formulieren: Ein Schriftsteller verfüge selten über mehr als seine eigene Biografie. Er schreibe auf geheimnisvolle Weise immer von den Echos und Schatten der Vergangenheit. Wie paradox das auch klinge: Nur wenn er vom Selbsterlebten schreibe, w ...

