Das «kaiserliche Wien», das urdemokratische Schweizer Besucher so gerne bewundern, findet man ja leicht: Hofburg, Staatsoper, Hofreitschule . . . Und natürlich gehört auch die Ringstrasse dazu. Die allerdings ist nur bedingt «kaiserlich». Zur Zeit ihrer Entstehung, gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts, als man Wien «zur Grossstadt demolierte» (Karl Kraus), entstand da neben dem kaiserlichen noch ein grossbürgerliches Wien. An der Ringstrasse und in den angrenzenden Quartieren bauten sich auch die gutbetuchten Kaufleute, Bankiers und Fabrikanten ihre Palais, die denen des Adels in nichts nachstanden und von dieser selts ...