Oberflächlich betrachtet, könnte sich die Entwicklung von Marilyn Crispell ausnehmen wie einer Widerspenstigen Zähmung. Nach einer klassischen Ausbildung stürzte sie sich in die freie Improvisation, wo sie am radikalsten war: mit Anthony Braxton im Quartett, mit Barry Guy, mit Irène Schweizer etc. Der Schein trügt. Der Lyrizismus, sagt sie, den sie auf ihren neueren Produktionen für ECM entwickle, sei nur die Kehrseite der gleichen Medaille. Wer Ohren hat zu hören, wird in ihm die gleiche improvisatorische Unbedingtheit, Kompromisslosigkeit, Hingabe an das Unvorhersehbare finden wie in ihren extrovertierteren Ausbrüchen. Kontemplation und Selbstentäusserung machen erst ihr ganzes T ...