Das literarische Kabarett
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Die Weltwoche

Das literarische Kabarett

Das literarische Kabarett

Würdigt alt Bundesrat Moritz Leuenberger den verstorbenen Literaturprofessor Peter von Matt, wird’s politisch und peinlich.

Versucht der Politiker sich als Literat, und dient der Herr der Feder dem Manne der Macht, dann ist der Kern der Groteske gepflanzt, dann stellt, unaufhaltsam, der Aberwitz alle beide bloss. Als Festredner an der «Gedenkfeier» für den verstorbenen Germanisten Peter von Matt, die am Sonntag im Schauspielhaus Zürich zur Apotheose geriet, erzählte SP-Mann Moritz Leuenberger, wie er 2001 als Bundespräsident in seiner Ansprache zum Tag der Kranken das wunderbar schlichte Abendlied «Der Mond ist aufgegangen» von Matthias Claudius präsentieren wollte. Nur mit der Schlussstrophe sei er einfach nicht zu Rande gekommen, die von «Brüdern» handelt, die sich niederlegen, und einem «kranken Nachbarn», der ruhig schlafen kann. So fragte er den berühmten Exegeten, wie der Text zu deuten sei.

SAMUEL SCHALCH / KEYSTONE
Schlagseite ist gewollt: Germanist von Matt.
SAMUEL SCHALCH / KEYSTONE

 

Gut lutherisch

Von Matt lieferte seine Auslegung umgehend: Der aufklärerische Claudius (1740–1815) habe in Zeiten der Adelsherrschaft listig in diesen Zeilen die Botschaften der Französischen Revolution versteckt. «Brüder» meine «fraternité», der Kranke erheische «solidarité», und in Kombination sei dies die angestrebte «égalité». So trug’s der Bundespolitiker am 4. Mai 2001 auch dem Volk vor. Leuenbergers posthumer Dank an den Gefeierten blamiert diesen nun peinlich.

Matthias Cladius sah in der Französischen Revolution keinerlei Fortschritt, sondern nur Gräuel.

Denn die Hinweise des Professors waren keine Weisheiten, sondern grobe Irrtümer oder wohl politisch motivierte Fälschungen. Der fromme Claudius war ein Konservativer, das genaue Gegenteil eines Subversiven und Umstürzlers, wie Martin Geck in einer grossen Biografie darlegt: «Er sah in der Französischen Revolution keinerlei Fortschritt, sondern nur Gräuel. Folglich hat er unter den politischen Verhältnissen ab 1789 sehr gelitten. Seine Devise war gut lutherisch: ‹Ein jeder sei der Obrigkeit untertan.›»

Wer das feine Gedicht aufmerksam liest, erkennt zweifelsfrei, dass der studierte Theologe im «Abendlied» die friedliche Einbettung des Menschen in Natur und vorgegebene Ordnungen preist und keinesfalls die Rebellion des Individuums.

 

Immer penetranter

Auch wenn nicht auszuschliessen ist, dass der Meisterinterpret aus Zürich den Text und den Dichter nicht richtig verstanden hat, die politische Schlagseite ist gewollt. Diese trat Buch für Buch, Rede für Rede, Interview für Interview immer penetranter zutage. Dafür wurde und wird Peter von Matt von den linksurbansozialliberalgrünen Milieus verherrlicht. Dafür tat er alten Werken seinen Zwang an.

Zeigeists schönes Echo: Urs Paul Engeler über Peter von Matt – das grosse Porträt, erschienen 2012, abrufbar auf Weltwoche.ch

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