Als ihre erste grosse Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum stattfand, wäre sie 36 Jahre alt geworden. Leider hat die amerikanische Künstlerin Eva Hesse diesen Triumph nicht mehr erlebt. Sie ist 1970, zwei Jahre zuvor, gestorben. Dass die Todesursache ein heimtückischer Hirntumor und nicht Suizid war, hatten die Medien zu dem Zeitpunkt bereits vergessen. Man feierte sie als Märtyrerin, als die Antwort der Kunstwelt auf die Schriftstellerin Sylvia Plath oder die Fotografin Diane Arbus, die beide ihrem Leben ein vorzeitiges Ende gesetzt hatten. Das Stereotyp hat System: Weibliches Genie ist für viele nur in der tragischen Variante zu ertragen.
Mit ihren Materialbildern und den fre ...