Alle haben sie schon einmal besichtigt, wenn nicht in der Realität, dann in der Fantasie: Gustav Klimts Jungfraueninsel gehört zur «Kunst, die man kennen sollte», wie ein aktueller Buchtitel pädagogisch anmahnt. Doch der Konjunktiv «sollte» ist eine Feigheit vor dem Leser. Klimts Gemälde «Die Jungfrau» (1913) muss man kennen, muss. Und das ist ein kategorischer Imperativ.
Man muss es kennen, vor allem aber: Man muss um die Hintergründe wissen. Sein Personal nämlich, verhüllt vom züchtigen Laken der klimtschen Ornamentik, lag sozusagen am Beginn der ersten sexuellen Revolution. Es gibt die Zeit vor Klimt, als die westeuropäische Gesellschaft weibliche Lust und Begierde in die ...