Vor ein paar Monaten stand ich zum ersten Mal vor Piero della Francescas «Geisselung Christi» in Urbino. Ein grosses Gemälde zwingt den Betrachter zu einer verbalen Reaktion, und so kamen mir Wörter in den Kopf (und manche aus dem Mund) über die Kombination von solidem Aufbau und einer Atmosphäre der Gelassenheit, über Luzidität und Numinosität; kurz blitzte die Idee auf, die grösste Kunst sei diejenige, die das Schöne mit dem Geheimnisvollen verbinde, die noch im strahlenden Verkünden zugleich etwas verschweige (Vermeer, Giorgione). Gleich darauf die Gegenidee: Was, wenn dieses «Geheimnisvolle» von der Ignoranz der Nachgeborenen herrührte? Vielleicht waren ja «Christi Geisse ...