In meiner Kindheit wirkte das Schloss grösser, als es ist. Hufeisenförmig, zwei wuchtige Seitenflügel, ein Mitteltrakt. In dem war die Bibliothek (und ist sie noch heute). Barocke Räume, schwungvoller Treppenaufgang mit ausgetretenen, lasierten Speckschwarten-Steinstufen. Wer darüberschritt, kam nicht zum ersten Mal. Ich weiss nicht mehr, was mich mehr einschüchterte: die Besucher, die mit dem Selbstverständnis von hundert Kilo Geisteshaltung durch die sanft scheppernde Flügeltür an den hölzernen Tresen des Bibliotheksempfangs traten und mit der herbeieilenden Bibliothekarin zu fachsimpeln begannen, oder die Bücher, die voluminösen, ...