Ein guter Schriftsteller hat die Fähigkeit, gute Geschichten zu erzählen. Dass er sich darüber hinaus auch als überlegener Deuter des politischen Geschehens eignet, ist nicht unbedingt gesagt. Der Amerikaner Jonathan Franzen, 58, gehört sicher zu den bedeutendsten Literaten der Gegenwart. Mit seinen beiden Romanen «Die Korrekturen» (2002), knapp drei Millionen Gesamtauflage, und «Freiheit» (2010) erzielte er zwei Welterfolge, die ihn auch bei der Kritik zum Star machten. Ein Teil der Begeisterung rührte wohl auch daher, dass Franzen das Lebensgefühl des progressiven linksliberalen Mittelstands in den USA und damit auch die Gesinnungslage seiner journalistischen Bewunderer präzis ...