An einem Herbstabend in den späten 1990er Jahren lernte ich den glühenden Patrioten und überzeugten Kommunisten Vo Nguyen Giap an einer privaten Veranstaltung in Hanoi kennen. Als junger Gymnasiast hatte ich 1954 am französischen Radio täglich die Einkesselung und dann die Niederlage der französischen Truppen – darunter Schweizer Fremdenlegionäre – am nordvietnamesischen Verkehrsknotenpunkt von Dien Bien Phu verfolgt. In den 1960er Jahren und am Anfang der 1970er Jahre war dann der Vietnamkrieg eines der grossen Themen der internationalen Politik. Die historische Figur hatte ich mir anders vorgestellt. «Historisch» eben, gross, bestimmend. General Giap war ein kleiner, fast sche ...