René Girard, der frankoamerikanische Revolutionär der Kulturwissenschaft, pflegt ungeniert den Habitus des Konservativen. Seine Klage über die Krise der Religion klingt vertraut. Nicht erst die Intellektuellen von heute stellen in seinen Augen das Christentum unter Generalverdacht und huldigen dem Neopaganismus. Seit der Renaissance stünden die Heiden und ihre Mythen im Rufe der Heilsamkeit: «In den Mythen entdeckt niemand je den Gestank schlecht verscharrter Leichen.» So rechnet der Moralist mit den «Demagogen der Moderne» ab, insbesondere mit den Religionswissenschaftlern und ihrem «blinden Komparatismus», der zwischen Mythen und Bibel keinen Unterschied macht.
Die wortgew ...