Weltwoche: Herr Mearsheimer, Sie sind Professor für internationale Beziehungen an der Universität Chicago und gelten als einer der führenden Vertreter des offensiven Realismus. Was sind, kurz gesagt, die Grundprinzipien dieser Denkschule?
John J. Mearsheimer: Als Realist denke ich, dass Staaten sich in erster Linie um ihr eigenes Überleben sorgen. Je mächtiger ein Staat ist, desto wahrscheinlicher überlebt er. Die Staaten tun darum alles, um auf Kosten anderer Staaten mehr Macht zu erlangen.
«Die Russophobie im Westen ist wirklich bemerkens ...