Die Antifa, ihre «Recherche-Experten» und der Schweizer Journalismus
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Die Antifa, ihre «Recherche-Experten» und der Schweizer Journalismus

Extremismus

Die Antifa, ihre «Recherche-Experten» und der Schweizer Journalismus

Die Freizeitgestaltung der Antifa ist bekannt: blindwütiger Vandalismus und exzessive Gewalt. Die Deutungshoheit, wer rechtsextrem oder gar ein «Nazi» ist, beanspruchen die Anarchos für sich. Das können Corona-Massnahmengegner sein – oder der Bassist der Reggae-Band «Lauwarm», der vor der Berner Reitschule zusammengeschlagen wurde.

Die Antifa, ihre «Recherche-Experten» und der Schweizer Journalismus

Nun haben sich Personen aus dieser Szene ein neues Tätigkeitsfeld erschlossen: als vermeintliche Rechtsextremismus-Experten für Medienhäuser wie Tamedia oder CH Media. In der Basler Zeitung (Tamedia) und im St. Galler Tagblatt (CH Media) erschienen jüngst Artikel von Mirjam Kohler, Ex-Präsidentin der Juso Basel-Stadt, respektive Enrico Kampmann, in denen ein «Recherchekollektiv» namens «Betonmalerinnen» zitiert wird.

Die «Betonmalerinnen» sind Anna und Noah (Namen der Redaktion bekannt).Aktiv sind die beiden vorwiegend auf Twitter unter «@farbundbeton». Die «Betonmalerinnen» bezeichnen Weisse als «privilegiertes europäisches Weissbrot», tweeten den Antifa-Schlachtruf ACAT («All Cops Are Targets»), rufen zur nicht bewilligten «Sponti-Demo» gegen die Wahl von Albert Rösti auf («wer kann da hin!») und solidarisieren sich mit dem verurteilten Terroristen Alfredo Cospito, der für den Bombenanschlag auf eine Polizeischule und das Attentat auf den Atom-Manager Roberto Adinolfi in Italien inhaftiert ist. Ihre Gefolgschaft auf Twitter und Patreon grüssen die «Betonmalerinnen» mit dem Anarcho-A und «Alerta Antifa».

Angefragt, ob Tamedia eine solche Quelle als seriös erachte, antwortet Sprecherin Sofia Sabatini, die «Informationen aus dem genannten Twitter-Profil» seien «gemäss journalistischer Standards auf ihre Richtigkeit überprüft» worden. Samuel Althof, Leiter der Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention (Fexx), führte ein längeres Gespräch mit Anna und sieht das kritischer: «Was dieses vermeintliche Rechercheportal praktiziert, ist ein Internetpranger für Menschen, welche die ‹Betonmalerinnen› im Kontext ihrer einseitigen Perspektive als Nazis definieren», schreibt er auf Anfrage. «Diese öffentliche Diffamierung ist eine Form von psychischer Gewalt, die zu Selbstjustiz animiert und, wie bei der Antifa-Prügelmiliz von Zürich im März, in reale Gewalt umschlagen kann.» «Es ist fahrlässig, dass renommierte Medien sich auf derart zweifelhafte Quellen berufen. Das verunmöglicht der Leserschaft, zu unterscheiden, ob man über ein Zerrbild informiert wird oder ob die Informationen öffentlichkeitsrelevant sind.»

Auch 20 Minuten, das reichweitenstärkste Medium der Schweiz, bezieht sich auf das «Rechercheportal». Kommunikationsleiterin Eliane Loum-Gräser schreibt auf Anfrage, man habe den Twitter-Account «zu wenig eingeordnet», dies sei nun «im Artikel nachträglich transparent gemacht» worden. Dort ist jetzt zu lesen, das «aktivistische Rechercheportal ‹Farbundbeton 2.0›» sei «selber der Antifa zuzurechnen». Die Frage, ob 20 Minuten mit der prominenten Erwähnung das Antifa-Portal legitimiert hat, mag Loum-Gräser nicht beantworten.

Banalisierung des Nazi-Widerstands

Althof sieht ein weiteres Problem: «Die inflationäre Verwendung des Begriffs ‹Nazi› kommt nicht nur einer Verhöhnung der Nazi-Opfer gleich, sondern banalisiert auch den nationalsozialistischen Widerstand», betont er. «Die ‹Betonmalerinnen› skandalisieren eine Tagung der esoterischen Anastasia-Bewegung oder bauschen einen Auftritt von Daniele Ganser auf. Das sind aber Themenbereiche, denen sich unsere Zivilgesellschaft in ihrem Alltagsumgang stellen muss.»

In ihrem Gespräch mit Althof äusserte Anna die Absicht, mit dem Recherchekollektiv «SRF Investigativ» Kontakt aufzunehmen, um dort als Expertin «Geld zu verdienen». Die SRF-Medienstelle wollte dazu keine Stellung nehmen, ebenso wenig zur Tatsache, dass auch «Arena»-Moderator Sandro Brotz öffentlich auf die «Betonmalerinnen» verwiesen hatte. Brotz lässt eine Anfrage unbeantwortet. Dasselbe gilt für Patrik Müller, Chefredaktor CH Media.

Würde die NZZ Hinweise von dubiosen Twitter-Accounts aus dem rechtsextremen Spektrum als «Recherche» feilbieten, der Aufschrei bei Tamedia, CH Media und SRF wäre ohrenbetäubend. Doch bezüglich der eigenen Zusammenarbeit mit der linksextremen Szene gelten offenbar andere Standards.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.