Carla Bley ist in manchem Sinn ein wandelndes Paradox, sicher aber in einem ganz banalen: Sie ist die jüngste alte Dame des Jazz. Sie behauptet, sie sei scheu, deshalb verstecke sie sich gern hinter ihren Bands, vornehmlich (für Jazzverhältnisse) grösseren Verbänden, aber auch hinter den beiden Melodiestimmen ihres jüngsten Quintetts. Dem widerspricht ihr Hang zum Theatralischen, zu einem etwas hexenhaften Schalk. Sicher ist sie eine grossartige Komponistin und Arrangeurin, aber eine eher diskrete Pianistin, «an arranger’s pianist», wie sie selber sagt.
Da schwingt, versteht sich, viel Understatement mit. In etlichen Duo- und Trio-Produktionen hat sie über die Jahre an pianistisc ...