«Im Sebastian hat man alles zusammen», ahnte der junge Felix Mendelssohn. Der 20-Jährige setzte das Wort in die Tat um: Seine Berliner Aufführung von Bachs Matthäus-Passion im März 1829 holte ein vergessenes Meisterwerk aus der Versenkung und leitete die bis heute andauernde Johann-Sebastian-Bach-Renaissance ein. Freilich war das eine Aufführung, die moderne Authentizität-Gurus erschauern lässt – mit manchen Zutaten und freimütigen Änderungen. Genau das war der Ansatz, mit dem auch der Komponist Mendelssohn an seine geistliche Aufgabe trat. Er wollte nicht Musik «wie Kerzen, wie Weihrauch» schreiben. Und beharrte auf der Autonomie der Kunst.
Obwohl Felix Mendelssohn aus einer ...