Ein Interview mit Elfriede Jelinek, der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin, ist auch ein Krankenbesuch. Mit bewundernswerter Beharrlichkeit besteht die nun Weltberühmte darauf, eine psychisch gestörte Frau zu sein und ihr, wie sie betont, vollkommen müheloses Schreiben ein Ausfluss ihrer vielfältigen Neurosen, die sie genau benennen kann. Die Wurzeln des Elends sind rasch aufgezählt: der hochgebildete, aber schwache Vater (Beruf: Chemiker), der im Irrenhaus endete, die herrschsüchtige, gefühlskalte Mutter, eine erfolgreiche Managerin, die das Kind zum Musikgenie trimmen wollte, und eine Erziehung in katholischen Klosterschulen, in denen nur eines zählte: Gehorsam. Elfriede Je ...