Lee Konitz, der letzte lebende Charismatiker des Altsaxofons, ist 83. Da fällt unweigerlich das Wort von der «Weisheit des Alters». In den meisten Fällen ist dies ja nur ein Euphemismus für den Verlust von Vitalität und Erfindungsgeist, also das genaue Gegenteil dessen, was dieser Altmeister in seinen immer spontanen Vivisektionen der eigenen Fantasie vorführt. Konitz verblüfft immer alle, die ihn zu kennen glauben. Sich selbst zuerst. Seine Improvisationen sind Vorgänge der Selbstüberlistung. Bei seinen Ausflügen schliesst er absichtlich die Augen, um die Wege ertasten zu müssen, als ginge er sie zum ersten Mal. Auf seiner jüngsten CD ist er nicht weniger als überwältigend. ...