Die Intellektuellen: ein «Trauerspül»
Sarah Kirsch: Ich will nicht mehr höflich sein. Tagebuch aus der Wendezeit. Edition Eichthal. 264 S., Fr. 35.90
«Sturm Stärke 9». So beginnt der Eintrag vom 9. November 1989 im Tagebuch der Schriftstellerin Sarah Kirsch (1935–2013). Prophetisch, sollte sich doch am Abend desselben Tages in Berlin die Mauer öffnen. Die vor allem als Lyrikerin bekanntgewordene Ostdeutsche lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwölf Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem sie als Erstunterzeichnerin der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 aus der SED und dem Vorstand des Schriftstellerverbands der DDR ausgeschlossen worden war, erhielt Sarah Kirsch 1977 die Ausreiseerlaubnis nach West-Berlin. 1983 übersiedelte sie in das Dorf Tielenhemme in Schleswig-Holstei ...

