Wenn du’s nicht gelebt hast, kommt’s nicht raus aus deinem Horn, soll Charlie Parker gesagt haben. Der Satz wurde zu einer Art Motto der «tragischen Jazzgeschichte». Es stimmt ja: Wo’s um Improvisation geht, also um den Augenblick, ist die Beglaubigung der fragilen Erfindung in der Existenz verbindlicher als anderswo. Billie Holliday, geboren 1915 als Eleanora Fagan, ist unter all den heiligen Untergehern des Jazz die denkwürdigste. Eine Art Edith Piaf des Jazz, längst vergessen bei jüngeren Generationen, die sich schon kaum mehr an die Gekreuzigten des Rock erinnern, Janis Joplin oder Jimi Hendrix. Ihr Leben war ein einziger Weg hinab, durch Desaster mit Männern, Drogen, Rassism ...