«Verliebte und Verrückte / sind beide von so brausendem Gehirn, / so bildungsreicher Phantasie, die wahrnimmt, / was nie die kühlere Vernunft begreift», urteilt Theseus im «Sommernachtstraum». Liebende haben nicht erst seit Shakespeare den Verstand verloren; aber er hat’s als Erster gesagt. In der mittelalterlichen Dichtung wurde die Liebe zur Perfektionsidee hochgetrimmt; der Schritt zum Wahn zum überirdischen Ideal verklärt.
Die grossen Paare wie Lancelot und Ginevra, Aucassin und Nicolette und schliesslich Tristan und Isolde verstiessen immer gegen den Ehrenkodex der Ehen. Deshalb galten die poetischen amours fous als Aufstand weltlicher Vorstellungen gegen die geistlich-asketis ...